Musiker und Besucher eines Musikevents in Vietnam von der Polizei angegriffen und schwer misshandelt

Frau Pham Doan Trang und Sänger Nguyen Tin vor und nach dem Angriff der Polizei

Eine Gruppe von jungen Leuten wurde von Polizisten angegriffen und schwer misshandelt, als sie gestern (15.08.2018) in Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon an einer privaten Aufführung von Liedern der vorkommunistischen Zeit teilnahmen.
Der Musikevent mit unpolitischen Liebesliedern aus der Zeit vor der Eroberung Südvietnams durch Hanois Truppen wurde von dem Musiker Nguyen Tin in einem kleinen Café veranstaltet. Die Polizei stürmte das Café, ging mit Gewalt gegen die Besucher vor und verletzte bekannte Aktivisten wie Pham Doan Trang, Nguyen Tin und Nguyen Dai schwer
Zum brutalen Vorgehen der Polizei sagte Clare Algar, Director of Global Operations von Amnesty International „Wenn das harte Durchgreifen gegen die zivile Gesellschaft Vietnams den Punkt erreicht, an dem Menschen geschlagen und gefoltert werden, weil sie Liebeslieder gehört haben, ist klar, dass sich die Situation auf ein beunruhigendes Niveau verschlechtert.“. Bereits im Juni 2018 berichteten viele Demonstranten, dass sie von Polizeibeamten verhaftet und gefoltert worden seien, nachdem sie an einem Massenprotest gegen die sog. Sonderwirtschaftszonen (SWZ) zugunsten chinesischer Investoren und das neue Internet-Gesetz, in Wahrheit ein Gesetz zur Einschränkung der Meinungsfreiheit, teilgenommen hatten.
Die vietnamesischen Behörden sind nach wie vor besonders sensibel gegenüber dem kulturellen Erbe im Südvietnam vor dem Sieg der Kommunistischen Partei im Vietnamkrieg im April 1975, auch wenn es keine offensichtlichen politischen Elemente beinhaltet. Der Musiker und Sänger Nguyen Tin ist in Vietnam bekannt dafür, Lieder zu singen, die vor dieser Zeit sehr populär waren. Auch er wurde während der Proteste im Juni von der Polizei inhaftiert und gefoltert.

Polizeibeamte in Zivil beobachteten, fotografierten und filmten die Veranstaltung vor der gewaltsamen Sprengung des Musikevents

Die jüngsten Foltervorwürfe kommen drei Monate vor dem fünften Jahrestag des Beitritts Vietnams zur UN-Konvention gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe. Auch diesbezüglich hat Amnesty International Stellung genommen und gefordert “Die Behörden Vietnams müssen diese schwerwiegenden Vorwürfe unverzüglich und unabhängig gemäß ihren Verpflichtungen im Rahmen der UN-Antifolterkonvention untersuchen.”

Dr. Hong-An Duong
“Forum Vietnam 21”
www.vietnam21.info


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